Hermann Krone, Selbst-Portrait, 1870, Lichtdruck, Stereo |
Hermann Krone (1827 - 1916) gehörte zu den frühen Praktikanten
der Photographie im deutschsprachigen Raum. Schon 1843 führte er
Experimente mit dem neuen Abbildungsverfahren durch. Er absolvierte zu
dieser Zeit eine Lehre als Lithograph und gehörte schon deshalb zu
jenen, die an der Weiterentwicklung von Vervielfältigungs- und Abbildungsverfahren
interessiert waren. Gleichzeitig studierte Krone Naturwissenschaften und
Philosophie an der Universität seiner Heimatstadt Breslau und schuf
damit die Basis seiner späteren beruflichen Tätigkeit und fachlichen
Ausrichtung.
Krones Verhältnis zur Photographie war von Anfang an durch die Parallelität
seiner anwendungsorientierten als auch wissenschaftlichen Interessen geprägt
- so wie es seiner Ausbildung entsprach. Als Inhaber eines Ateliers, das
er seit 1852 in Dresden betrieb, stand für ihn die gewerbliche Nutzung
des photographischen Verfahrens im Vordergrund. Als Naturwissenschaftler
suchte er nach theoretischen und experimentell nachvollziehbaren Erklärungen
für die von ihm angewandten und auch selbst entwickelten Verfahren.
Als Lehrer und Dozent für Photographie an der Technischen Hochschule
Dresden vermittelte er ab 1870 seine praktischen und theoretischen Kenntnisse.
Sein Ziel war es, die Anerkennung der Photographie als angewandte Wissenschaft
zu erreichen und sie dauerhaft in der universitären Forschung zu
etablieren. Und er strebte danach, durch Verbesserung der Abbildungsleistungen
der Photographie ihre Anwendungsgebiete ständig auszuweiten.
Seine gesamte Tätigkeit war durch die Paradigmen des technischen
Fortschritts und eines positivistischen Wissenschaftsverständnisses
geprägt. Und obwohl Krone auch über künstlerische Fähigkeiten
und Fertigkeiten verfügte - er hatte kurzzeitig an der Dresdner Kunstakademie
studiert - war sein Verhältnis zur Photographie von ästhetischen
Erwägungen wenig beeinflusst. Vielmehr folgte er einem funktionalistischen
und damit radikal modernen Konzept. Dieses begriff das technische Abbildungsverfahren
vor allem als Mittel zur Informationsaufzeichnung und zur unbegrenzten
Vervielfältigung. Das photographische Bild wurde als „technical
sign" (Margret Nesbit) im Dienste eines faktischen Wissenszuwachses,
begriffen.
Krone folgte diesem dezidiert technizistischen Bildverständnis.
Das Ziel seiner Arbeit war es, die Entwicklung der Photographie in eine
Richtung voran zu treiben, die schließlich zum "Massenmedium
Photographie" führte. Er suchte nach Möglichkeiten, die
durch die Photographie geleistete spezifische Wirklichkeitsdarstellung
technologisch zu vereinfachen und den Bildträgern physische Dauerhaftigkeit
zu verleihen. In richtiger Einschätzung der kommenden Entwicklungen
widmete er den photographischen Kopiermethoden und Druckverfahren besondere
Aufmerksamkeit.
Aus heutiger Sicht kann festgestellt werden, dass Krones Intentionen
über den Bereich der Photographie als einer Abbildungstechnik und
über technologische Probleme weit hinausgingen. Die von ihm vertretenen
Vorstellungen lassen sich in den Rahmen einer allgemeinen Mediengeschichte
einordnen. Gerade dadurch erweisen sie ihre Aktualität. Die von Krone
geförderte Entwicklung zur immer schnelleren und ständig anwachsenden
Produktion und Reproduktion von Bildern war Ausdruck und Bestandteil der
sich immer weiter verbreitenden industriellen Produktionsweise. Von dort
her bezog diese Entwicklung ihren expansiven Grundgestus wie auch ihr
ökonomisches Kalkül.
LEBENSLAUF
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Hermann Krone, Selbst-Portrait (als Student), 1850, Daguerreotypie |
| 14.09.1827 |
Hermann Krone wird in Breslau als
Sohn eines Lithographen geboren. |
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| um 1830 |
Tod der Mutter. |
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| 1843 |
Beginn der Lithographenlehre beim Vater.
Erste gelungene Photographie nach dem Kalotypie-Verfahren.
Erste Daguerreotypie-Aufnahmen. |
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| 1848 |
Astronomische Aufnahmen in der Breslauer Sternwarte.
Anerkennung durch Alexander von Humboldt. |
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| 1849/50 |
Studium an der Königlichen Kunstakademie
in Dresden. |
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| 1851 |
Photographisches Atelier in Leipzig. |
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| 1852 |
Krone erhält das Bürgerrecht der Stadt
Dresden.
Eröffnung einer "Photographischen Porträt- und
Lehranstalt".
Beginn der Arbeit nach dem nassen Collodium-Verfahren. |
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| 1853 |
Erste Landschaftsaufnahmen in der Sächsischen
Schweiz.
In den folgenden Jahren entstehen zahlreiche Aufnahmen in der
Sächsischen und Böhmischen Schweiz. |
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| 1854 |
Vermählung mit Clementine Blochmann, mit der zusammen
Krone vier Kinder haben wird. |
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| 1855 |
Erste Arbeiten mit der Collodium-Trockenplatte.
Krone wird Kommissär für photographische Objektive
der Königlich privilegierten Optischen Industrie-Anstalt
in Rathenow. |
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| 1850er/60er |
Krone befaßt sich mit der photographischen Wiedergabe
von Farben. Er stellt photographische Intensitätsvergleiche
von unterschiedlichen Lichtquellen an. |
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| 1869 |
Erste Pigmentdrucke mit einfachem Übertragungsgang.
Gründung der Photographischen Gesellschaft zu Dresden und
Herausgabe der Zeitschrift "Helios".
"Hermann Krone’s Photographischer Kunstverlag"
nimmt seine Tätigkeit auf. |
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| 1870 |
Krone beginnt in Dresden mit seiner Lehrtätigkeit am
Königlichen Polytechnikum.
Einführung des Lichtdruckes nach Joseph Albert. |
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| 1872 |
Erarbeitung des "Koenigs-Album" mit Ansichten der
142 Städte im Königreich Sachsen. |
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| 1874/75 |
Teilnahme an der Reichsexpedition zur Beobachtung des Durchgangs
der Venus vor der Sonnenscheibe. Einrichtung einer Forschungsstation
auf den Auckland-Inseln südlich von Neuseeland. Photographische
Aufnahmen des astronomischen Ereignisses am 9.12.1874.
Rückreise durch Australien und Indien. |
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| 1876 |
Habilitation zum Thema "Von der Verwendung des Lichtes
zu Abbildungen im Dienste der Wissenschaft".
Ernennung zum Vorsitzenden des Photographischen Sachverständigenvereins
für das Königreich Sachsen. |
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| 1880er/90er |
Zahlreiche Landschaftsaufnahmen. Krone experimentiert und
photographiert mit künstlichem Licht. Versuche zur Farbenphotographie.
Publikation philosophischer und naturwissenschaftlicher Abhandlungen.
Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs zum photographischen Urheberrecht. |
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Hermann Krone mit photographischer Reiseausrüstung, um 1860,
Carte-de-Visite
(Museum Ludwig/ Agfa Photo-Historama)
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Historisches Lehrmuseum, Tafel 79, Innen-Aufnahmen. (Rektorat, Aula
der Technischen Hochschule Dresden) |
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| 1895 |
Verleihung des Professorentitels an der Technischen
Hochschule Dresden. |
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| 1897 |
Tod der Ehefrau. Krone beginnt mit der Zusammenstellung seiner
gesammelten Dichtungen, erschienen in vier Bänden 1899
- 1902. |
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| 1898 |
Krones bis dahin unentgeltliche Lehrtätigkeit wird endlich
auch finanziell abgesichert. |
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| 1907 |
Der 80jährige Krone tritt in den Ruhestand ein. Ernennung
zum Königlichen Hofrat für seine Verdienste auf dem
Gebiet der Photographie. Stiftung seines "Historischen
Lehrmuseums für Photographie" an die TH Dresden. |
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| 1913 |
Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die TH Dresden.
Krone übergibt dem Wissenschaftlich - Photographischen
Institut sein Manuskript "Die für alle Zeit von praktischem
Wert bleibenden Photographischen Urmethoden". |
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| 17.09.1916 |
Hermann Krone stirbt in Laubegast bei Dresden. |
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Anonym, Hermann Krone neben seinem "Historischen Lehrmuseum
für Photographie"
auf der Internationalen Photographischen Ausstellung, Dresden 1909
(Museum Ludwig/ Agfa Photo-Historama)
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