2008 blickte das Institut auf sein 100jähriges Bestehen zurück. Am 1. April 1908 wurde es unter dem Namen Wissenschaftlich Photographisches Institut gegründet und Prof. Robert Luther, ein Schüler des Nobelpreisträgers W. Ostwald, wurde zu seinem ersten Direktor berufen. Einige Jahre später bezog das Institut den Westflügel des neu erbauten Gebäudes an der George-Bähr-Straße (heute als "Beyer-Bau" bekannt), in dem es sich noch heute befindet. In Hermann Krone, der seit 1870 Vorlesungen und Praktika zur Photographie an der damaligen Technischen Hochschule gehalten hatte, hatte Robert Luther in seiner Eigenschaft als Hochschullehrer einen namhaften Vorläufer. Krone war vor allem als Photograph bekannt geworden. Er hatte in Sachsen als Erster Landschaftsaufnahmen gemacht; seine 1853 entstandenen ersten Aufnahmen der Sächsischen Schweiz hatten großes Aufsehen erregt. Krone begleitete die Photographie von seinen ersten Verfahren in Form der Daguerreotypie und Kalotypie bis hin zu industriell gefertigten Photomaterialien. Er hinterließ mit einer großen Sammlung von Photographien der unterschiedlichsten Verfahren ein Erbe, das heute enormen kulturhistorischen Wert hat. Diese "Krone-Sammlung" befindet sich im Institut und wird heute nach modernen Gesichtspunkten gewartet. Im Sommer 1998 wurde sie in einer großen Ausstellung, die zusammen mit dem Kupferstichkabinett Dresden vorbereitet wird, gezeigt. Wissenschaftlich waren die photographischen Prozesse zur Zeit der Institutsgründung kaum erforscht. Maßgebliche Beiträge zu leisten und damit auch die aufstrebende Dresdner Photoindustrie zu unterstützen - das war die Aufgabe des Instituts. Luther löste sie vor allem mit den Methoden der physikalischen Chemie. Das Institut gewann sehr bald einen guten Ruf als Forschungs- und Ausbildungsstätte für die Probleme der photographischen Bildaufzeichnung; Schüler aus vielen Ländern kamen zu Luther. Von den vielen Arbeitsgebieten des Instituts sei zunächst die Sensitometrie hervorgehoben, weil hier die Pionierarbeit für die Einführung des dann jahrzehntelang gültigen DIN-Systems für die photographische Empfindlichkeit geleistet wurde. Desweiteren wurden bahnbrechende Arbeiten auf dem Gebiete der Farbenlehre durchgeführt. 1936 löste Hellmut Frieser den in den Ruhestand getretenen ersten Institutsdirektor ab. Zunehmend wurden jetzt Probleme der Farbenphotographie bearbeitet. Forschungen auf dem Gebiet der Sensitometrie führten dazu, die Voraussetzungen für extreme Verkleinerungen und ihre Rückvergrößerung zu schaffen. Eine DIN A4-Seite auf 1 mm2 wurde erreicht. Die Arbeiten wurden bald überschattet durch Aufgaben, die der Technischen Hochschule vom Heereswaffenamt auferlegt wurden. So hatte das Institut z.B. optisch-photographische Methoden zu entwickeln, um die Temperatur im Feuerstrahl von Raketen zu messen. Wenngleich diese Aufgabe für das Institut nur beiläufig war, hatte sie für Prof. Frieser einschneidende Konsequenzen: Er wurde 1946 als ein vermuteter Raketenspezialist in die Sowjetunion gebracht, wo er in einem Kollektiv von Wissenschaftlern arbeiten mußte; erst 1952 wurde er von dort entlassen. Die Luftangriffe auf Dresden im Februar 1945 und mehr noch die Demontage der für die Forschung wichtigen Apparate durch die sowjetische Besatzungsmacht beeinträchtigten die weitere Arbeit im Institut. Trotzdem konnte bald nach der Wiedereröffnung der TH im Herbst 1946 der Lehrbetrieb und Anfang der fünfziger Jahre auch der Forschungsbetrieb wieder aufgenommen werden. An Stelle von Prof. Frieser, der nach seiner Rückkehr aus der Sowjetunion nicht in Dresden blieb, trat nunmehr Prof. Rudolf Reuther. Unter seiner Leitung, unterstützt von Frau Doz. Dr. I. Schmidt, wurde das Institut wieder voll arbeitsfähig. Die Zahl der Studenten, die im Institut Vorlesungen hörten und Praktika absolvierten, wuchs weit über den früheren Umfang hinaus. Die Forschungsarbeiten konzentrierten sich auf die Wiedergabeeigenschaften photographischer Schwarz/Weiß- und Farbmaterialien. Mit der im Jahre 1969 erfolgten Hochschulreform wurde das Institut zum "Wissenschaftsbereich Photophysik". Damit kündigte sich eine Abkehr von der rein photographischen Ausrichtung an. Die Realisierung erfolgte durch Prof. Peter Süptitz, der 1977 die Leitung übernommen hatte. Die Wissenschaftliche Photographie blieb zwar weiter ein Bestandteil der Forschungsarbeit, aber jetzt traten festkörperphysikalische Probleme, speziell zur Physik lichtempfindlicher Festkörper, in den Vordergrund. Neben den Silberhalogeniden, speziell in der Form aufgedampfter dünner Schichten, wurden lichtempfindliche amorphe Halbleiter und ihre Anwendbarkeit als Resist untersucht. Durch Prof. H. Böttcher wurde die Untersuchung von organischen Halbleitern in der Form von Aufdampfschichten aufgenommen. Der im Jahre 1988 erfolgten Emeritierung von Prof. Süptitz folgte eine durch die Wende bedingte Phase der fachlichen Neuorientierung und des personellen Umbaus. In den traditionsreichen Räumen im Beyer-Bau der technischen Universität Dresden wurde im Oktober 1993 Prof. Karl Leo als neuer Direktor des Instituts für Angewandte Photophysik eingeführt. Er profilierte die Forschung auf Probleme der Optoelektronik, speziell auf die Erforschung photoinduzierter quantenmechanischer Phänomene in Halbleitern. Mit dieser Aufgabenstellung zieht es viele Diplomanden und Doktoranden an, die in den neu eingerichteten Räumen moderne Arbeitsbedingungen vorfinden. Wenn damit heute auch die Halbleiterphysik im Institut dominiert, so fühlt es sich doch der Tradition verpflichtet und hütet das Erbe der Wissenschaftlichen Photographie. An dieser Stelle sei Herrn Prof. Süptitz gedankt, der freundlicherweise diesen Text zur Verfügung stellte.