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TIMELINE OF PHOTOGRAPHY
Historisches Lehrmuseum für Photographie
von Hermann Krone

Zum Konzept

Der Plan für eine „Timeline of Photography“ entstand im Zusammenhang des von der European Commission on Preservation and Access (ECPA) initiierten Projektes „SEPIA II“ (weitere Informationen siehe Link „SEPIA“ auf der Startseite) In den Chronologien, die von verschiedenen Partnern vorgelegt werden, sollen Orientierungshilfen im weiten Feld der technischen Entwicklung und konservatorischen Vielfältigkeit photographischer Verfahren, didaktisch aufbereitet, einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Die Konzentration der Darstellung auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ist begründet in der historisch einzigartigen Breite experimentell erprobter Verfahren und Anwendungen. Durch diese wurden die Voraussetzungen geschaffen für die Industrialisierung der Bildproduktion. Die aus dieser Zeit stammenden Bildbestände sind heute häufig Gegenstand und Problem konservatorischen und restauratorischen Interesses.

Die Erarbeitung einer Timeline machte die Auseinandersetzung mit den überkommenen Mustern der Geschichtsschreibung notwendig, in denen Photographiegeschichte ausschließlich als Geschichte von Erfindungen erscheint und dem vielfach bezeugten Selbstverständnis der einstigen Akteure gefolgt wird. Aber auch das Absehen vom Technischen der Photographie und ihrer Geschichte als Mediengeschichte, etwa in inzwischen auch vorliegenden Versionen einer Photographiegeschichte als Kunstgeschichte, geben der erneuten Befragung des Verhältnisses von photographischem Bild, zugrundeliegender Technologie und gesellschaftlichem Gebrauch ihre Berechtigung.

Für die Vermittlung von Photographiegeschichte von einem aktuellen Standpunkt aus ist es deshalb unerläßlich, der Historiographie des 19. Jahrhunderts ein erweitertes Modell entgegenzusetzen. Die auf einen simplen Fortschrittsbegriff und auf den Erfolg des einzelnen Erfinders fixierte Geschichtsschreibung kann dafür nicht (mehr) das Muster sein.
Denn beispielsweise erweist sich bei näherer Betrachtung, daß die einzelnen Verfahren in den europäischen Ländern nie völlig zeitgleich eingeführt bzw. genutzt wurden und auch ihr Wiederaufgreifen zu späteren Zeitpunkten möglich war. Die Timeline verweist auf einige solche Fälle. Auch deshalb erscheint die Konstruktion einer genau festgelegten, absoluten Chronologie der Photographie nicht sinnvoll.

Allerdings gab es eine Reihe genereller Probleme und Aufgabenstellungen der Photographie, an deren Lösung von Anfang an und im internationalen Verbund gearbeitet wurde. Diese waren nicht nur auf das 19. Jahrhundert beschränkt. Sie existieren - mit gewissen Akzentverschiebungen - bis in die Gegenwart hinein.

Von Anfang an suchte man nach Verbesserungen beispielsweise in folgenden Punkten:


- Detailliertheit und Umfang der Informationsaufzeichnung
- massenhafte Reproduzierbarkeit
- Kostenaufwand der Produktion
- Haltbarkeit
- Farbwiedergabe


Das Lehrmuseum gibt die Photographiegeschichte des 19. Jahrhunderts aus der Erzählerperspektive von Hermann Krone wieder.
Dieser war als Praktikant der Photographie, Naturforscher und Lehrer nicht systematisch vorgegangen. Seine persönlichen Erfahrungen und Vorlieben fanden ihren Ausdruck und damit auch seine Einsichten in die Entwicklungswege der Photographie. Es wurde keine nur im Nachhinein erreichbare Vollständigkeit angestrebt. Statt dessen wurde die sehr spezifische Durchdringung von subjektiven und objektiven Aspekten in die Timeline übernommen.

Der Einsatz der Photographie als angewandter Wissenschaft und die Entwicklung von Vervielfältigungsverfahren findet besondere Berücksichtigung. Die Technologiegeschichte korrespondiert mit der Geschichte der Funktionen und Anwendungen.

Das Projekt wird prinzipiell als unabgeschlossen betrachtet. An einigen Stellen bedarf es noch der weiteren Ausführung, die sukzessiv erfolgen wird.
Korrigierende Hinweise und Ergänzungen sind jederzeit willkommen!

Andreas Krase
Dresden, im Februar 2003